| 6.0 |
seppl: |
also, du willst für die freiheit kämpfen?
|
| 6.1 |
gretl: |
und gegen den krieg.(P) in vietnam.
|
| 6.2 |
seppl: |
wieso?
|
| 6.3 |
gretl: |
ich bin dagegen, reicht das nicht?
|
| 6.4 |
seppl: |
ich meine, wieso bist ausgerechnet du, gretl,
(P) gegen den vietnamkrieg?
|
| 6.5 |
gretl: |
ich will für die freiheit kämpfen.
|
| 6.6 |
seppl: |
in deutschland?
|
| 6.7 |
gretl: |
was denn sonst, seppl.
|
| 6.8 |
seppl: |
gegen den vietnamkrieg?
|
| 6.9 |
gretl: |
und du hilfst mir dabei.
|
| 6.10 |
seppl: |
gretl, da muß ich erst mal drüber nachdenken.
|
| 6.11 |
gretl: |
papperlapap, besorg dir lieber ne waffe.
|
| 6.12 |
seppl: |
bevor ich schieße, will ich
lieber nochmal drüber nachdenken.
|
| 6.13 |
gretl: |
willst du mit nachdenken den krieg gewinnen?
|
| 6.14 |
seppl: |
vom schießen, gretl, ist noch keiner schlauer geworden.
|
| 6.15 |
gretl: |
waffen liefern die besten argumente.
|
| 6.16 |
seppl: |
sie sind zwang, sonst nichts.
|
| 6.17 |
gretl: |
(P) für die leute in vietnam gibts nur einen ausweg:
kämpfen und gewinnen oder verrecken.
|
| 6.18 |
seppl: |
aber nicht für uns.
|
| 6.19 |
gretl: |
doch, seppl. für die meisten.
entweder arbeiten gehen oder sozialer abstieg.
|
| 6.20 |
seppl: |
das ist nicht dasselbe.
|
| 6.21 |
gretl: |
und wenn sie nicht arbeiten gehen wollen?
|
| 6.22 |
seppl: |
wer geht schon gerne arbeiten.
|
| 6.23 |
gretl: |
die reichen, seppl.
im kapitalismus wird man reich vom arbeiten gehn lassen,
und nicht vom arbeiten gehn.
|
| 6.24 |
seppl: |
das versteh ich nicht. |
| 6.25 |
gretl: |
reich wird man
von der arbeiter anderer leute. verstehst du, seppl.
die reichen beuten die armen aus.
|
| 6.26 |
seppl: |
und wieso gehen dann die leute arbeiten?
|
| 6.27 |
gretl: |
weil sie gezwungen werden, seppl. mit gewalt. (P)
die eltern hauen ihnen eine runter, die
schule steckt sie ins heim,
der vermieter schmeißt sie raus und
der arbeitgeber kürzt ihnen den lohn .
|
| 6.28 |
seppl: |
aber die leute gehn doch nicht arbeiten, weil ihnen
der lohn gekürzt wird? die gehen doch arbeiten
obwohl der lohn gekürzt wird.
|
| 6.29 |
gretl: |
was willst'n damit sagen, seppl?
|
| 6.30 |
seppl: |
ich glaube, die leute gehen freiwillig arbeiten.
|
| 6.31 |
gretl: |
ja. weil sie geld verdienen müssen.
|
| 6.32 |
seppl: |
nein. weil sie geld verdienen wollen.
|
| 6.33 |
gretl: |
ob sie wollen oder nicht, sie müssen.
|
| 6.34 |
seppl: |
ob sie müssen oder nicht, sie wollen.
ich zum beispiel. ich geh arbeiten, um geld zu verdienen.
und dann kauf ich mir,
was ich will, von dem geld. das ist meine freiheit.
|
| 6.35 |
gretl: |
schöne freiheit, seppl. mal ehrlich, glaubst du, daß man
die freiheit für geld kaufen kann?
|
| 6.36 |
seppl: |
wenn ich geld hab, kann ich mir alles kaufen.
|
| 6.37 |
gretl: |
alles?
|
| 6.38 |
seppl: |
alles nicht .
|
| 6.39 |
gretl: |
eben. und wenn du keins hast?
|
| 6.40 |
seppl: |
dann geh ich arbeiten.
|
| 6.41 |
gretl: |
für den könig,
der davon reich wird.
verstehst du.
|
| 6.42 |
seppl: |
gretl, da muß ich nochmal drüber nachdenken.
|
| 6.43 |
gretl: |
pass ma auf, seppl. wir leben auf dem weltmarkt.
|
| 6.44 |
seppl: |
stimmt.
|
| 6.45 |
gretl: |
und auf dem weltmarkt zählt nur geld. dreckiges geld.
|
| 6.46 |
seppl: |
da hast du recht, gretl.
und wer keins hat, muß welches verdienen.
|
| 6.47 |
gretl: |
das nennt man ausbeutung. dreckige ausbeutung.
|
| 6.48 |
seppl: |
weil dabei andere reich werden?
|
| 6.49 |
gretl: |
so isses seppl. weil dabei andere reich werden, deshalb iss es
dreckige ausbeutung.
|
| 6.50 |
seppl: |
was machen wir denn da? |
| 6.51 |
seppl: |
gretl, was war das?
|
| 6.52 |
gretl: |
irgendwann in deinem
leben mußt du dich entscheiden. seppl,
entweder du kämpfst für deine sache. oder du läßt es.
|
| 6.53 |
seppl: |
da muß ich erst mal drüber nachdenken.
|
| 6.54 |
gretl: |
(P) wie wär`s denn mit folgender szene: (P)
der weltberühmte denker sitzt auf seinem
dicken arsch und denkt und denkt und denkt.
dann kommt die geschichte
und überbringt die nachricht, daß
alles gelaufen ist. rate mal, seppl,
wer den dicken arsch spielt.
|
| 6.55 |
seppl: |
(P) wie wär`s denn mit folgender szene, gretl: (P)
die weltberühmte kämpferin steht mit einem geladenen gewehr
vor einer ganzen armee und
schießt und schießt und
schießt und dann kommt die geschichte
und überbringt die nachricht,
daß alles vorbei ist. jetzt darfs du mal raten, gretl.
wer spielt das geladene gewehr?
|
| 6.56 |
gretl: |
der kampf hat begonnen. jede kugel geht gegen den
dreck der profitmacher. und
wir leben hier in saus und braus von den profiten aus der 3. welt.
|
| 6.57 |
seppl: |
ne, gretl. wir leben nicht von den profiten aus der 3. welt.
du hast selbst gesagt, wir werden ausgebeutet.
ich, du, und die 3. welt.
|
| 6.58 |
gretl: |
wir könnten sammeln für die befreiung
von vietnam, brasilien, uruguay,
bolivien, guyana, timor,
surinam, kongo, palestina, simbabwe.....
|
| 6.59 |
seppl: |
aber das sind doch nationale
befreiungskriege gegen die kolonialmächte.
|
| 6.60 |
gretl: |
eben. gekämpft für die freiheit, gegen die unterdrückung.
|
| 6.61 |
seppl: |
für nationale unabhängigkeit,
für einen eigenen staat.
|
| 6.62 |
gretl: |
das ist der erste schritt zur freiheit. |
| 6.70 |
gretl: |
na klar, der könig liest die f-a-z, die kapitalistenzeitung!
|
| 6.71 |
könig: |
da steckt meistens ein kluger kopf dahinter.
|
| 6.72 |
gretl: |
paß mal auf, könig, daß der nicht gleich rollt.
|
| 6.73 |
könig: |
das wird sich noch zeigen, gretl, wessen kopf gleich rollt.
|
| 6.74 |
gretl: |
gute idee, könig. hey leute, der kopf vom könig,
steht der für (P) freiheit?
oder für (P) unterdrückung? |