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tumult

könig ist sauer und will die vorstellung abbrechen. könig holt die polizei. gretl agitiert seppl , der wissen will, was gretl denkt.
[ (VZ) (L-AN) (CD 8) gong, könig und gretl stecken ihre köpfe durch den vorhang, gretl mit kasperle-puppe. ]

5.0 könig: schluß, aus, vorbei. die vorstellung ist aus. gretl, (P) gretl, du kannst gehn.

5.1 gretl: war doch lustig. oder? trie tra trullala.

5.2 könig: ich hatte gesagt: pingpong-bälle. und kein pudding.

5.3 gretl: ich fands lustig. einer,(P) der dörfer bombadiert und ernten vernichtet, bekommt eine drauf.

5.4 könig: aber nicht mit pudding. du hast meine vorstellung geschmissen.

5.5 gretl: besser, als rum sitzen und gedichte gegen den krieg schreiben.

5.6 könig: ich mache kunst. ich mache theater. verstehst du. theater.

5.7 gretl: hirndreck. du machst hirndreck. verstehst du. hirndreck.

5.8 könig: verlass sofort mein theater. gretl, ich fordere dich zum letzten mal auf, verlasse mein theater.

5.9 gretl: die leute in vietnam kämpfen. alle.

5.10 könig: und ich mache theater.

5.11 gretl: du mit deinem theater erzählst nur lügen. nichts als lügen, lügen, lügen.

5.12 könig: das stimmt nicht. ich sage die wahrheit.

5.13 gretl: die wahrheit ist, daß der nachschub für den krieg von hier aus los geht, von frankfurt und heidelberg.

5.14 könig: verschwinde jetzt aus meinem theater. sonst hol ich die polizei.

5.15 gretl: verschwinde selber, herr könig. und sag den bullen, es ist krieg.

5.16 könig: das maß ist voll. ich gehe zur polizei. sofort.

[ (CD 9) schritte, könig geht ab. gretl wirft die kasperle-puppe weg und ruft könig hinterher. ]

5.17 gretl: der kann froh sein, daß er seinen schwanz nicht lutschen kann. sonst hätte er nie gelernt, aufrecht zu gehn.

5.18 könig: das werden wir ja sehn. ich gehe zur polizei. meine vorstellung. das wirst du mir büßen.

5.19 gretl: der könig hat vieleicht genervt. (P) seppl?

5.20 seppl: ja gretl, was ist denn?

5.21 gretl: mach mal bitte licht an.

[ seppl macht den vorhang auf, das licht an und bringt eine zeitung. (VA) (L-O-AN) ]

5.22 gretl: mensch seppl, wenn wir jetzt schon die zeitung von morgen hätten ...

5.23 seppl: gretl, dann könnten wir den veriß unserer vorstellung lesen.

5.24 gretl: schnulzendreck. da wird was ganz anderes drin stehn?

5.25 seppl: was denn, gretl?

5.26 gretl: abwarten.(P) was stand denn gestern drin.

5.27 seppl: hier zum beispiel, wieder über den vietnamkrieg.

5.28 gretl: das ist ein dreckiger angriff gegen die befreiung der 3. welt!

5.29 seppl: steht so nicht drin.

5.30 gretl: gekämpft von amerikanischen söldnern, für das recht profite zu machen, auf dem weltmarkt.

5.31 seppl: steht so gar nicht drin, gretl.

5.32 gretl: mensch seppl, denk doch mal nach. wenn sich jemand wehrt, führen die dreckigen profitmacher ihr dreckiges stück auf und spielen knüppel aus dem sack.

5.33 seppl: das war mir gar nicht so richtig klar. ich glaub, das ist den meisten leuten nicht richtig klar.

5.34 gretl: du bist schauspieler seppl, sags ihnen halt, los.

5.35 seppl: was soll ich den leuten denn sagen?

5.36 gretl: sag ihnen, das sind die kosten für den drecks weltmarkt.

5.37 seppl: hallo, das sind die kosten für den drecks weltmarkt.

5.38 gretl: richtig, seppl. der stärkste bestimmt die regeln, mit krieg. los

5.39 seppl: der stärkste bestimmt die regeln, mit krieg. heute in vietnam, morgen (P) vieleicht (P) irgend wo anders.

5.40 gretl: richtig seppl. drecks weltmarkt.

5.41 seppl: hallo, seht ihr das auch so?

5.42 gretl: die kannste vergessen, die sind alle bestochen.

5.43 seppl: bestochen? meinst du, gretl, die sind bestochen worden?

5.44 gretl: mit profiten aus der 3.welt, mit konsumterror, mit farbfernsehern und urlaub und auto und lauter so'n dreck.

[ (CD 10) geld ]

5.45 seppl: aber das haben sich die leute verdient, gretl. die gehen dafür arbeiten. hart arbeiten. und außerdem, womit sollte man die leute bestechen.

5.46 gretl: mit hohen löhnen zum beispiel.

5.47 seppl: lassen sich die leute mit hohen löhnen bestechen?

5.48 gretl: na klar, seppl.

5.49 seppl: aber doch höchstens zu noch mehr arbeit.

5.50 gretl: siehste seppl, so werden die leute verarscht.

5.51 seppl: gretl, da muß ich erst mal drüber nachdenken.

5.52 gretl: seppl, wenn die menschen arbeiten, gegen geld, wem gehört dann das, was sie arbeiten?

5.53 seppl: laß mal überlegen.

5.54 gretl: denk mal nach, seppl. ihnen nicht mehr. oder?

5.55 seppl: und wem sonst?

5.56 gretl: ihrem arbeitgeber. der hat die leute ja eingekauft. (P) und die arbeit. mit seinem drecks kapital.

5.57 seppl: ach deshalb heißt der auch ...

5.58 gretl: drecks kapitalist. verstehst du. und jetzt schau dir vietnam an, seppl.

[ gretl dehnt die worte marktschreierisch. ]

5.59 gretl: der kampf hat begonnen. jede kugel geht gegen den dreck der profitmacher. und du seppl, mußt dich entscheiden: dagegen oder dafür.

5.60 seppl: gretl, da muß ich nochmal drüber nachdenken. (P) vieleicht.

5.61 gretl: papperlapap, bist du dagegen oder dafür!

5.62 seppl: wofür?

5.63 gretl: für die freiheit.

[ (VZ) (L-AUS) ]


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michael kloeckner 2002-11-06