ich bin eigentlich nicht wegen nina nach boulder gekommen, & auch nicht wegen der rockys oder der guten luft auf 1800 m, sondern um meinen freund justus zu besuchen, der hier seinen flugschein macht, halb legal, halb illegal arbeitet, um den unterricht am jefferson county flight training center zu zahlen, immerhin 25 dollar für die stunde in der kleinsten einpropellermaschine, die zu mieten ist, & 20 extra für eric, den flight instructor, der die essensmarken nicht selbst sieht, sondern an die schule abdrücken darf. justus, der alte schwede, der treue diener der christlichen seefahrt, der abenteurer & zweifler, dem die sache erst richtig spaß bereitet, wenn sie schon nicht mehr zu gelingen scheint, der richtig in fahrt kommt, wenn die kohle alle ist, der tank leer, das wasser ausgeht oder die süße sich langweilt, justus hat eine schwäche für motoren & kisten, die damit laufen. er setzt sein sowieso zu kurzes leben auf sie & hat bisher immer gewonnen.
als wir seinerzeit die fähre nach tunis kriegen wollten im hafen von genua, der steil gelegenen, schmutzigen hafenstadt am rande der ligurischen felshänge, hatte er eigenhändig & in genauer beachtung aller sicherheitsbestimmungen vor der fahrt von frankfurt runter nach italien die zylinderkopfdichtung ausgebaut & eine nagelneue dichtung wieder eingesetzt, mit dem drehmomentschlüssel alle zylinderkopfschrauben in der korrekten reihenfolge & mit dem vorgeschriebenen druck angezogen, so daß der weiße peugeot 504 aus dem jahr 67 gewappnet war für eine sommertour in den sonnigen süden europas, von wo aus wir mit dem schiff weiterfahren wollten bis nordafrika. auf der autobahn, etwa bei karlsruhe, meckerte der wagen & zeigte mit seiner dünnen, feinen nadel eine überhöhte öltemperatur an, abends um 9 in einer lauen sommernacht.
``das macht die kiste öfter.`` wir fahren mit aufgedrehter heizung, um aus dem kühlkreislauf last zu ziehen.
``die zylinderkopfdichtung kann's nicht sein. der kühler arbeitet ja, die heizung geht, & außerdem hab ich die dichtung gestern selbst gewechselt.`` ``na klar, wenn du's sagst.``
die stops, die wir häufiger einlegen, bis die nadel der anzeige den roten bereich verlassen hat, kosten unsere nerven & unsere zeit. wir erreichen am anderen morgen um 9 über die autobahn durch die berge liguriens, über langgezogene brücken & grünbewachsene hänge, die stadtgrenze & fliegen in atemberaubenden tempo durch die engen, schnell abfallenden gassen genuas, durch gepflasterte fußgängerzonen & über zebrastreifen, an seitlich wegspringenden, wild schimpfenden italienern vorbei bis ans hafentor, wo uns der freundliche zollbeamte zur seite winkt, um die karre nach gras zu durchsuchen.
``dove'è la herba, eh? fumiamo uno spinello & già.`` auf dem weg in unseren sommer-sprach-kurs haben wir tatsächlich nix rauchbares dabei. es kümmert den uniformierten ungemein, daß wir um halb 10 auf die fähre wollen, & er nutzt es echt aus, um uns einen kleinen joint zu entlocken. als wir ihm jeder im gepäck 2 dicke wörterbücher gezeigt haben sowie unseren nackten arsch & den schwanz dazu, läßt er uns abziehen, locker in der zeit, um die fähre zu schaffen. in tunis, wo der wagen wegen der größeren hitze kaum weiter als eine handvoll km zu bewegen ist, ohne mit dampfendem kühler um halt zu flehen, treiben wir einen in libyen geschulten automechaniker auf, der die französischen modelle wie im schlaf kennt.
``mach mal den motor an.`` in einer parallelstraße der libertè, vor dem haus, in dem wir eine 2zimmerwohnung gemietet hatten, waren neben dem mechaniker & uns beiden, dem simsar & vermittler, dem blockeigenen imam, seiner familie, dem bruder des mechanikers & dessen familie sowie einem schwager, noch einige leute aus der nachbarschaft zusammengekommen, um die wundertat des mechanikers zu bezeugen.
``ich hab die kopfdichtung selbst ein- & ausgebaut, eh, aus- & eingebaut``, erklärt justus. die karre springt sofort an & läßt gemütlich das klackern der ventile hören. unser mann aus tunis schraubt den kühlerdeckel ab & hat die lösung.
``nochmal aus & wieder an.`` alles klar. in der kleinen öffnung des kühlers ist beim anlassen & nur direkt danach kurz ein winziger wasserwirbel zu sehen, ein strudel, der mit einem glucksen einige spritzer über den rand schleudert.
``die zylinderkopfdichtung.`` & zum beweis & weil es noch einfacher ist, zeigt er auf eine stelle des motorblocks, wo die kopfdichtung den kopf verschließt, & wo nach allem, was unser mann weiß, ein stück dichtung zu sehen sein müßte, wo deutlich zu sehen nix weiter hervorschaut als der blanke guß des zylinderkopfs. am anderen tag wechselt der mechaniker die dichtung innerhalb von 4 stunden, nicht ohne den kopf plan geschliffen zu haben & die kopfschrauben in der korrekten reihenfolge & mit dem nötigen druck ohne drehmomentschlüßel anzuziehen & uns die karre zu übergeben.
justus ist ein künstler im auswechseln von kopfdichtungen, im fliegen, im geigespielen, beim übersetzen & beim baggern. wenn wahr ist, was die zukünftige managerin der timberjacks sagt, daß nämlich ein wahrer künstler leiden muß, um gutes zeug abzuliefern, dann ist justus der wahre künstler schlechthin. für ihn wird es erst spannend, wenn der hunger einsetzt & kein brot in sicht ist.
4 wochen bevor ich ihn besuchen kam, hatte er die übungsmaschine ohne den final check auf die 18er körnung der landebahn gedrückt. der final check beinhaltet die letzte überprüfung der sicherheitsbestimmungen vor der landung, wie klappen, licht, höhe, geschwindigkeit & das ausklappen des nützlichen fahrwerkes, falls die maschine eins hat. der propeller bohrte sich in den motor, wo er zerbröselte & den block & die aufhängung demolierte. der pilot kam mit dem schrecken davon.
``justus``, sage ich zu ihm, ``du hast 2 lektionen auf einmal gelernt, den final check nicht zu vergessen & eine landung mit eingeklapptem fahrwerk, was kann dir schon passieren.``
der geräumige, schwere kombi, dessen stahlbleche zu dick sind, um in einem menschenalter durchzurosten, bringt uns mit seinen 8 zylindern an einem sonnenbeschienenen, indianischen sommertag von boulder über den highway an golden vorbei, den rand der plains entlang zum jefferson county airport, auf halber strecke nach denver gelegen. die luft ist klar, & linsenförmige gutwetterwolken stehen in 12000 m über der 2ten kette der rockys, wo sie auf einer strömung reiten, die sie in immergleicher position hält. denver liegt in 20 km entfernung in südwestlicher richtung & ist mit ihrer kastenförmigen, hoch bebauten innenstadt gut zu erkennen.
wir steigen aus dem wagen, & justus löst die stromversorgung, damit die batterie durch den kriechstrom ihre spannung nicht verliert. wir laufen über den schwarzen asphalt zur schule, auf ein flaches, großräumiges gebäude zu, vor uns die endlosen rockys, in breiter nordsüd-richtung, auf einer länge von mehreren tausend km, dunkelgrün bewaldet. die spitzen der mittleren kette, der continental divide, schroff & zerklüftet, sind mit schnee bedeckt. hinter uns die planes, über die im spätherbst unter der tief stehenden sonne ein rauher wind pfeift, liegen still & golden im morgenlicht. justus zeigt mir den flieger, eine einpropellige chesna, deren flügel am dach beginnen, so daß nach unten eine gute aussicht ist, & während er unsere kopfhörer aus dem büro holt & eric bescheid gibt, laufe ich an einer reihe geparkter stahlvögel vorbei, alle mit einer schweren eisenkette am boden gesichert, flügel an flügel nebeneinander aufgereiht, auf die rotgolden gestreifte hk 370 zu.
von einem kleinlaster wird sprit in die flügel gefüllt. justus beginnt mit dem preflight check, geht einmal um die maschine herum, prüft die lichter, zapft sprit aus beiden tanks, um daran zu riechen & ihn mit geübter geste gegen den wind auf seine hose zu gießen, löst die kette & steigt durch die kleine öffnung unter der rechten schwinge ins cockpit. von weitem sehe ich gegen die sonne eric zu uns rüberkommen, eric, der blonde, schmächtige flight instructor mit dem bullenbärtchen, dem hauptamtlichen sozialarbeiterbart rund ums freßloch, blond & stoppelig, mit der echten fliegerbrille, die oben in der sonne gute dienste tut, & einer kopfhörer-mikro-ausstattung, die teurer war als der wagen von justus.
ich setze mich nach hinten in die roten polster, übergebe justus die karten & die checkliste nach vorne, & wir rollen nach einem lauten ``clear the prop¡` los. die funkausrüstung ist voice controled & arbeitet nur, falls ein signal lauter als der schwellenwert durch den verstärker geht. von den checks auf der piste für die seiten- & höhenruder, die funktionstüchtigkeit der instrumente & der funkverbindung zum turm bekomme ich anfangs nur bruchstücke mit.
um 9 uhr 32 sind wir startklar & um 9 uhr 36 nach dem letzten check in startposition am ende der rollbahn. justus stellt das spritgemisch im verhältnis zur drehzahl ein. der motor heult & eric gibt die vorgabe für den start.
``let's try a short field take off.`` ``otel kilo 3 7 oh, ready to take off.`` aus dem kopfhörer kracht die bandstimme der wetteransage wie das jingle einer lokalen radiostation.
``otel kilo three seven zero clear to take off.`` der short field take off benutzt die untere gleitgeschwindigkeit, um mit der nase & dann mit dem arsch 2 m über der piste die nötige fahrt zu machen & danach die klappen voll nach hinten zu reißen, so daß der vogel sich ins kreuz legt & an geschwindigkeit verlierend abhebt.
um 9 uhr 38 drehen wir auf die startbahn ein. eric schaut gespannt zu beiden seiten in den hellblauen himmel. justus zieht am gashebel, löst die bremsen & nimmt bei 65 meilen die vorderfüße hoch, zieht die klappe so weit, daß gerade die hinterfüße über dem boden schweben, gibt etwas stoff, bis wir bei 80 meilen die nase nach oben ziehen & jeffco airport unter uns lassen. wir erreichen schnell die höhe der foothills, sehen über die erste kette in die täler der rockys & über den sandig gelben boden der plains.
wir steigen bis auf 8500 fuß hoch & beginnen mit einem 180 grad turn, um den luftraum hinter uns frei zu haben. danach folgt eine lazy 8, eine faule, lahme 8, in allen 3 dimensionen genau vorgeschrieben, die beiden 8er spitzen gleichmäßig über einem tiefen kreuz. der steigflug sollte bei einem banking von 30 grad gerade soweit gehen, bis der auftrieb abreißt & das stalhorn pfeift, um von der 90 grad position die schräglage auszugleichen & wieder an geschwindigkeit zu gewinnen bis zum anderen flügel der 8.
kein hindernis stört die ausladend schwingende flugbahn. ich schaue auf die schachbrettartig angelegten straßen unter mir, grau & gerade wie mit dem lineal gezogen, auf die runden felder, die wie kuchenplatten unterteilt sind in unterschiedliche stücke, gelb & grün, braun & grau, mit einem dunklen faden von der mitte bis zum rand, einer bewässerungsleitung, die im bedarfsfall in ständiger drehung das gesamte feld erreicht oder nur einzelne sektoren besprüht. das sonnenlicht spiegelt sich silbrig in den scheiben der gewächshäuser & blau in der oberfläche der kleinen, künstlich angelegten seen, deren winzige kräuselung bis hierhin zu erkennen ist. wie leiterbahnen auf einer platine ziehen sich die braungelben wege im rechten winkel durch das helle grün der felder, an ein paar stellen von einem kreisrunden silo oder einer gruppe schwarz gedeckter gebäude unterbrochen. im nordosten liegt boulder, als dichte ansammlung roter 4ecke, die sich in den hügeln der foothills verliert, weiter südlich die flat irons, die 3 wahrzeichen der stadt. wir können von hier oben fast über die continental divide schauen. die luft ist ruhig & nicht zu dünn, so daß wir einen angenehmen flug haben.
im höchsten punkt der 8, wenn der auftrieb abreißt & die tragende kraft aussetzt, spüre ich für einen augenblick mein frühstück im bauch, weich & halbverdaut, & ich bin sicher, daß mir die rohe zwiebel nicht hoch kommt. die bewegung des vogels ist wie an einem seil aufgehängt. ich verliere keine sekunde das vertrauen in seine flugfähigkeit.
der auftrieb ist eine kraft, die unabhängig von unserem bewußtsein wirkt, falls sie wirkt, so wie alle kräfte, falls sie wirken, unabhängig & von natur aus wirken. er erzeugt eine aufwärtsströmung, die den flieger wie an einem langen seil an seinen beiden flügeln nach oben zieht & ihn durch die luft schwingt. es gibt keinen grund, dieser kraft zu mißtrauen, so wie es keinen grund gibt, irgendeiner anderen kraft der natur zu mißtrauen. menschen können von haus aus nicht fliegen, aber einige von ihnen sind mit einem verstand ausgestattet, der es ihnen ermöglicht, maschinen zu bauen, daß auch der dümmliche rest hoch in den himmel steigen kann. es ist das vertrauen, das uns menschen abhanden kommt, wenn wir ängstlich & verzweifelt herumzappeln, & es ist seine macht als vermittler zwischen der welt des wissens, der welt der theorie & der welt der dinge, der welt der taten, die uns kräfte verleiht, sich über das heute hinaus zu heben.
ein ertrinkender zweifelt an der beständigkeit der runden, sich drehenden erde, die er mit seinem verstand für den bruchteil einer sekunde nicht mehr zu fassen in der lage ist, & löst die festigkeit auf, bis sich die wirklichkeit von einer anderen seite zeigt, weil sie von der anderen seite betrachtet plötzlich nicht mehr so ist, wie sie bisher immer war, & das wasser, das den schwimmer mit leichtigkeit trägt, jetzt seinem körper den auftrieb verwehrt, so daß er unter der oberfläche, die wie ein unerreichbarer, unhaltbarer fetzen stoff, vom wind weg getragen wird, im dunkel eines tiefen sees verschwindet. ich war 2 sommer mit justus an der gleichen uni, & wir waren 2 sommer lang zusammen am gleichen see, & wir haben beide jahre den alljährlichen ertrinkungstod gesehen.
wenn du aus lauter angst zu fallen den flieger hochziehst, indem du die klappen nach hinten drückst, bis die schnauze steil in den himmel zeigt & die fahrt so gering ist, daß der auftrieb abreißt, hat der vogel, für einen augenblick herrenlos, die wahl, in die gewohnte position nach vorne zu fallen & sich dadurch wie von selbst die nötige fahrt zu besorgen, die den auftrieb wiederherstellt, oder zur seite weg unter die flügel zu kippen & zu trudeln, sich zu drehen & abzuschmieren, wie ein falsch gefalteter papierflieger im treppenhaus.
eric übernimmt das 2te steuer & zeigt uns eine saubere lazy 8. das flugfieber hat ihn gepackt. er setzt sich etwas tiefer in den sitz, um den luftraum um uns gut im auge zu haben, nach oben, nach unten & nach beiden seiten. wie es sich gehört, fliegt er erst eine 180 grad wende, um nach anderen maschinen ausschau zu halten, die von den unzähligen flughäfen in dieser gegend aufgestiegen sind, um in einem würfel von einem km kantenlänge ihre luftübungen zu machen, gegen das gleißende sonnenlicht kaum größer als ein silbrig schimmernder punkt im stahlblauen morgenhimmel. eric beginnt die 8 kurz vor dem kreuz mit guter fahrt, dreht nach rechts ab, legt den vogel seitwärts in ein 30 grad banking, schiebt die schnauze auf 2 uhr & erreicht den 90 grad punkt, wo er die klappen einholt & den ersten flügel der 8 auslaufen läßt bis kurz vor das kreuz. wir haben eine glatte, saubere, angenehm schwingende 180 grad wendung gemacht, wie um ein riesiges ei herum, & rauschen auf den kreuzpunkt zu, wo eric den vogel, noch während wir nach unten sausen, seitlich eindreht, dabei die klappe leicht anzieht, gerade genug, um einen weiträumigen steigflug zu verursachen, der die fahrt langsam herausnimmt & das stalhorn anwirft, als wir den 90 grad punkt 30 grad zur seite geneigt passieren. eric gibt die klappe wieder rein & wir rauschen ab nach unten auf das kreuz zu, um die näxte 8 zu fliegen. 2500 fuß unter uns zieht ein farmer mit seinem 4radgetriebenen, silbrig spiegelnden geländewagen eine gelblich milchige staubwolke schnurgerade durch die plains, während wir uns über dem flugplatz von golden für ein touch & go anmelden.
der anflug auf die landebahn ist von einer festgelegten seite in einer genauen flugbahn, dem final turn, erlaubt, deren winkel, höhe & geschwindigkeit in einem kleinen buch anhand von kreiszeichen & winkelzahlen beschrieben sind. aus dem kopfhörer kracht abwechselnd die stimme von justus & die der bodenkontrolle. wir fliegen das 4tel einer lazy 8, um an höhe zu verlieren & auf 1200 fuß über die piste zu gelangen, die uns gleich auffangen wird, vorerst aber als armbreiter, anthrazitfarbener streifen klein & unscheinbar am daumengroßen hangar hängt. der anflug beginnt parallel zur landebahn & führt ihr entgegengesetzt 900 fuß oberhalb hinter das andere ende. 2 drehungen um 90 grad bringen uns in die anflugsposition. unter uns sind die unebenheiten der grasbewachsenen, trockenen ebene deutlich zu erkennen. justus checkt die instrumente ein letztes mal, sagt die position & vorgeschriebene geschwindigkeit laut ins mikro, überprüft das ruder & krächzt zu seiner eigenen sicherheit das wichtige landing gear down über die anlage. vor der befahrenen straße, die unsere bahn 300 fuß tiefer kreuzt, tanzt eine schwarze schlange ihren feiztanz, mit einem gelben streifen auf dem rücken wild zuckend, ihren kopf an beiden seiten des vogels vorbeischwingend, so als wolle sie ihn von außen in den nacken schlagen. sie wird immer größer & mächtiger, bis sie uns ganz umgibt & den vogel samt uns 3 verschlingt. die räder quietschen & mein sitz ruckt, als wir auch schon wieder abheben, die schlange unter uns zurücklassend. sie besänftigt sich sofort & legt sich zur ruhe bis zum näxten mal, wenn wir uns nähern.
``that was ok, man.`` eric hat die ganze zeit über keinen ton gesagt, nur gespannt aus den seitenfenstern geschaut.
``fine, you just gave it to much input. you determined it too much. just keep the rudder firm & move it constantly.`` ``scheiße. ok, shit, I'll do it again.`` ``no it was ok. let's do a short field landing over an abstacle.``
fliegen ist überhaupt nicht mit autofahren zu vergleichen. wer fliegt, wie er einen wagen in die kurve lenkt, der hat verschissen. justus ist ein guter flieger, konzentriert, ruhig, wohlbedacht, entspannt & verantwortungsbewußt, der seine aufgabe genau kennt & sie sicher zu ende führt.
``we'll do a short field landing over an abstacle.`` ``ok, I'll take the second sign as the obstacle.`` die anmeldeprozedur am jeffco airport kracht mir um die ohren.
``otel kilo three seven ouh, north east approach.`` justus beginnt den prelanding check mit dem ruder, dem sprit, der höhe & der kompaßausrichtung. wir kreisen nochmal über der schwarzen asphaltfläche 1200 fuß unter uns, wo in silbernen reihen die kleinen, weißen einpropellermaschinen geparkt sind, drehen auf die rockys zu, die stolz in 12 km entfernung vor uns liegen, & sinken auf die vorgeschriebene anflughöhe. die schwarze schlange bleibt ruhig unter uns liegen, schnappt kurz mal nach uns, als wir die geschwindigkeit über dem hindernis verlangsamen, & wir fallen in ihren tiefen schlund, wo wir sanft aufsetzen. eric zieht kommentarlos die klappen rein & gibt sofort gas, so daß wir nach vorne schnellen & mit der schnauze nach oben in den himmel zurückstoßen.
``justus, you forgot the final check.`` ``scheiße.`` er schaut ungläubig zu eric rüber & starrt dann sprachlos zur anderen seite in den himmel. ich hatte mir geschworen, den hebel für die landeklappen, falls nötig, eigenhändig zu ziehen. als ungeübtem flieger war mir allerdings der final check im kopfhörer entgangen. ich hatte keine positionsangaben gehört & ebenfalls nicht das wichtige landing gear down.
``scheiße, ich idiot.`` ``you've got to be carefull justus. where is your concentration. let's do that again. otel kilo seven three ouh, north east approach.``
widerwillig prüft justus die instrumente. das fahrwerk war ausgefahren. es fehlte nur die offizielle bestätigung darüber, wie sie der final check unter anderem liefert, eine bestätigung, die in manchen fällen von außerordentlicher wichtigkeit sein kann.
fliegen selbst ist recht einfach. nach einer stunde theorie & 35 dollar kann jeder selbst prüfen, ob er für die fliegerei taugt, oder ob er eine echte landratte ist, ob er sich am langen seil des auftriebs wohlfühlt, oder den festen grund unter den füßen nicht missen will.
nach einem sauberen final check mit allem was dazugehört, oder fast allem, bändigt justus die schlange mit ruhiger hand nieder, & wir landen sanft auf dem rauhen boden des jeffco airport 1700 m über dem meer auf den plains.
ich kann jedem, der seekrank zu werden droht, raten, eine gute stunde vor dem start eine rohe zwiebel zu kauen, bis die augen tränen, & den überschüssigen traurigkeitssaft ausschütten, bis die nase vor wasser läuft & sich reinigt, bis zum guten schluß nix übrig bleibt von der zwiebel, als die trockene, äußere haut, der stumpf & ein lang anhaltender, leckerer, starker zwiebelgeschmack, wie nach einem echt italienischen salat. diese malzeit kommt nicht wieder hoch, alleine deshalb nicht, weil sie mit ihren letzten molekülresten, noch immer im mund, nichtmal bis runter in den magen gekommen ist, wo andererseits der überwiegende batzen der moleküle den magenpförtner bereits passiert hat, durchsetzt & angekratzt von einer feinen säure, mit den ersten verdauungsenzymen kämpfend. du kaust einfach den rest geschmack wieder frisch auf, bis er neu erblüht, & lehnst dich in die weichen sessel direkt hinter den 2 piloten mit den fliegerbrillen, die den stahlvogel sicher durch die lüfte steuern, schaust aus dem fenster, hoch über den plains, zur einen seite nach kansas, zur anderen nach texas, bis nach phenix & ahnst den pacific im sonnigen californien. cheyen im norden ist verdeckt durch die 14000 fuß hohe continental divide, americas wasserscheide, dem schier unüberwindlichen hindernis für die millionen tracker auf ihrem langen marsch ins gelobte land. aber das ist lange her.
© m.k.
Michael Kloeckner Radio Radieschen 2002-01-22