in buenos aires war es bei weitem nicht alltäglich, mit süßen oder weniger süßen mädels ins gespräch zu kommen, oder wenigstens einen blick zu kreuzen, um die alles entscheidende & einzige frage zu beantworten, die alle, oder fast alle menschen das ganze leben hindurch beschäftigt. ich kenne keinen, aber auch wirklich keinen einzigen menschen, der nicht geliebt werden will & der es nicht genießt, von freundlichen händen liebkost zu werden, mit den augen eines anderen entkleidet & bewundert zu werden, in vertrauten, fremden atem zu atmen & weiche lippen zu küssen.
ich selbst gehöre nicht zu der sorte leute, die lieber, ohne mit anderen zu ficken, ein leben abseits von sex & lust führen & dabei einem nicht vorhandenen götzen & einer vorgestellten natur näher sind als dem eigenen körper, oder einem der anderen 5000 millionen menschen. ich ziehe es vor, daß du mich verstohlen anschaust, fragend & ein wenig aufgeregt, daß du mich zu dir winkst & mir von dir erzählst, bis ich vertrauen gewinne zu dir, ziehe es vor, daß du für mich dein schnell pochendes herz einen spalt öffnest, so daß ich einen kurzen, fast zufälligen blick auf deinen innigen wunsch werfen kann, gerade ausreichend, um ihn zu erahnen & um ihn vielleicht, nachdem wir uns in die augen geschaut haben, zu erfüllen, ohne pflicht & ohne versprechungen oder unausgesprochene hoffnungen, einzig wie 2 freie, mit freiem willen ausgestattete menschen, die alles um sich vergessen, um eine kurze strecke ihres sowieso zu kurzen lebens gemeinsam zu gehen.
ich verzeihe dir, wenn du ungewaschen bist & ein wenig holprig sprichst. ich bin selbst ungewaschen & rede holprig. ich verzeihe dir die umständliche art, mit der du mich anmachst, denn ich weiß selbst keinen besseren weg, verzeihe deine unordentliche kleidung, deine schwitzige hand & deinen schlechten atem morgens früh auf nüchternem magen. ich sehe dir die aufgeregtheit nach, mit der du fast unser kleines glück vermasselst, weil du in gedanken ganz woanders bist als hier bei uns beiden, denn ich kenne allzu gut die vielen, kleinen hindernisse, die unserer geschichte im wege stehen, die 1000 hemmnisse & wirrungen, die es zu überwinden gilt, die verfestigten lebensmuster, die wir wie eine errungenschaft vor uns hertragen.
aber ich verzeihe dir nicht & ebenso wenig mir selbst, wenn ich, anstatt auf dich zu hören & deiner stimme zu folgen, vor lauter unmöglichkeiten in meinem kopf nur meinen festen, steinernen wunsch sehe, & ich meinen schmalen, engen, zackig verwinkelten irrweg nicht verlassen will, um mit dir eine direkte, gerade abkürzung zu nehmen zu einer süßen, gemeinsamen liebesnacht, in der wir uns gegenseitig glücklich machen.
nach 3 erfolgreichen wochen im familienglück, ohne liebesleben & mit vielen, kleinen zugeständnissen an die vergangene vergangenheit & die nicht vorhandene zukunft, buchte ich in buenos aires einen flug nach são paolo. noch 5 kurze tage & 5 lange nächte, & ich werde unter der sonne brasiliens die lebensfreude der klausbunten, gut gemischten leute im 5tgrößten land der erde teilen. ich fahre 2 abende später mit meiner geliebten linie 17 bis in die chacabuco zum centro parakultural & verpasse gerade meine 4te tanzstunde, mitten unter aufrecht dreinschauenden porteños.
an der bar bestelle ich eine flasche leckeren, herben, weißen santa anna, den mir die blonde hinter dem tresen in einen plastikbecher gießt, um den rest im kühlschrank aufzubewahren. ich beschwere mich bei ihr über den tango & die starre art der porteños, über die jahrhunderte alte, verkommene, europäische vorstellung von liebe, die jedesmal mit conquista beginnt & mit conquista endet, einem unsinnigen, weil von haus aus ungleichen zweikampf, bei dem der männliche teil alles versucht, um den tapfer verteidigenden, weiblichen teil gegen alle widerstände zu erobern, bis die genommene festung ein für allemal abgehakt & gegessen ist, weil die eroberung das ziel war & nicht die liebesnacht, weil es gar nicht ums ficken ging, sondern darum, ficken zu dürfen, weil eine eroberte festung jeden kitzel & jeden reiz verloren hat.
nein, nein es gäbe auch andere leute hier, & im übrigen sei dies ja wohl das beste & aufregendste spiel, was menschen miteinander spielen. an diesem abend bin ich anderer meinung & kann es nicht verstehen, wie einerseits die jungs das blaue vom himmel lügen & andererseits die mädels alles dafür tun, es zu glauben, so daß am ende nix dabei herauskommen kann als die enttäuschung der typen nach einer eroberten muschi & die der frauen nach einer stümperhaften abspritznummer, nix als die allseits bekannte halbwahrheit, auf der jeweils anderen seite seien doch alle gleich.
tango fällt aus den lautsprechern, wie fotos aus einem alten familienalbum. hinter mir läuft eine schwarze katze die eingangsstufen herauf, schaut sich lange um & verschwindet im keller, der den raum längs kreuzt. du kommst von der tanzfläche zu uns an die bar, beugst dich über den tresen & fragst uns nach feuer, & ein geruch von sandel & zeder & süßem schweiß geht mir aufregend in die nase & macht mich mit einem mal besessen. wer bist du? was ist das für ein duft an dir? ich schaue auf deine sommersprossige, gebräunte brust, schnuppere 2 runden um deine schultern & lande zwischen deinem schlüsselbein vor einem kleinen, hellblauen fläschchen aus ton, das du an einem lederband um den hals trägst. zusammen mit deinem schweiß verströmt es einen himmlischen duft. als ich an dem winzigen behälter rieche, ohne daß deine haut den inhalt verfeinert, schwindet der zauber. ich gebe dir das fläschchen zurück & du lachst mich an, ein wenig stolz & ein wenig vorwitzig, bis sich falten um deine augen bilden.
du trägst ein weites hemd, das über deine schwarzen shorts fällt. die dunklen locken reichen dir bis auf die schultern & du mischst dich mit der geistreichen bemerkung in unser gerede, daß die typen alle machos seien, die von der liebe im grunde nix verstünden & bei den frauen jeden wunsch nach zärtlichkeit & geborgenheit offen ließen. ich pflichte dir bei & gebe dir zu bedenken, daß hinter jedem macho eine alles verzeihende mutter & eine geduldig wartende schnepfe steht, die sich im allgemeinen keinen deut besser benimmt, wenn sie brav & anständig auf ein zeichen ihres stechers wartet, um ihn dann vielleicht nach langem & noch längerem abweisen ran zu lassen. deine tiefen, honigfarbenen augen schauen schnell & vorwitzig durch den tangonebel & du forderst mich zu einem tanz auf, den ich nach 3 tanzstunden wagen werde. ich will an deiner seite sein. du hast es bereits gewußt.
rostig ertönt ein altes, trauriges lied, langsam & zögernd von einem bruder meines freundes begleitet. wir wiegen uns die erste hälfte, ohne uns von der stelle zu bewegen, bis wir gemeinsam auf ein geheimes zeichen meine 8schritt-folge leichtfüßig auf die staubige tanzfläche zaubern. du gleichst meine unbeholfene art mit deiner weichen klugheit aus.
du sagst: ``halt mich ordentlich fest, damit ich halt habe`` & ziehst mich dabei vor deine hüften in deinen schritt & legst deine locken an meine schulter, so daß ich deinen heißen atem glühend auf meinem empfindsamen nacken spüre. du ziehst mich sanft ein & bläst mich aus dir raus & stellst mir deine lenden in den weg. bei jedem schritt muß ich näher zu dir hin. wir schreiten gemeinsam, wie ein wesen, durch den rot gefärbten tango, bis wir einen schritt vergessen & uns noch enger halten, damit die verbindung zwischen uns nicht verlorengeht & einer in den andern hören kann. nach dem tanz lachst du mich an & lobst meine vorstellung, & ich gebe dir das kompliment einer geübten tänzerin zurück. unsere eintracht wurde erst durch deine geduldige wachheit so süß. ich gestehe dir nicht, daß ich für einen augenblick gewillt war, dich zu küssen, sondern nehme deine hand & führe sie an einen der marmortische, wo wir einen schluck vom süßen, herben argentinischen wein nehmen.
das also ist tango, so geht tanzen, dafür üben alle. das erträumen sie, wenn sie mit fremden menschen auf die tanzfläche gehen.
du stellst mir einen deiner freunde vor & tanzt mit ihm 2 schnelle, gutgeölte melongas. ich bewundere deine weiche art, die nix von der verachtenden weise hat, mit der porteños ihr altes gesellschaftsspiel aufführen. wir trinken ein wasser gemeinsam, wagen einen neuen tanz, halten uns diesmal von beginn an eng umschlungen, hüfte an hüfte & kopf an kopf. ich lege meine hand vorsichtig auf die sommerspossen deines rückens, um dir halt zu geben & von dir geführt zu werden, um jede deiner sanften bewegungen zu spüren. ich vergesse meinen 8ter schritt & beginne den tango zu träumen, den marschartigen rhythmus aufzulösen in kleine, zögerliche schrittfolgen, & wir zerlegen den gleichmäßigen takt gemeinsam in stücke unterschiedlicher länge, in denen wir innehalten & aufeinander warten, bis einer von uns die geduld verliert & das unmerkliche zeichen für eine bewegung gibt, der wir in schnellen, weiten schritten folgen, als wollten wir die gewartete zeit einholen.
ich werde nicht von deiner seite gehen, sondern den rest des abends bei dir bleiben, bis du genug von mir hast & lieber ohne mich weiterziehst. ich werde bei dir bleiben, solange du bei mir bleiben willst, werde dir alles verzeihen, was du mir verzeihst, & falls du wirklich willst, werden wir die nacht gemeinsam in unseren armen verbringen.
dein tanzpartner fordert dich auf, & du schaust mich fragend an. ich muß dich freigeben, so daß du mit dem besseren tänzer dein vergnügen hast, während ich euch bewundernd zuschaue.
später tragen 3 porteños ein paar stücke vor. dein tanzpartner singt einen tango mit blues vermischt zum stampfen seines fußes, & ein junger typ gibt eigene gedichte zum besten. dann singt eine 70jährige in einem weit fließenden, hellblauen, weißgepunkteten kleid, das tief ausgestellt den faltigen brustkorb bedeckt, von einem taschentuch als zeichen einer verlorenen liebe. sie fährt mit dunkelroten, brüchigen fingernägeln über die tränenden, schwarzen augen & läßt dabei einen weißen fetzen zum boden sinken. keiner im saal wagt ihn aufzuheben. du sitzt vor mir auf dem kleinen sofa an der stirnseite des langen saals. ich traue mich nicht, dich zu küssen. in langen abständen schicke ich meinen atem flüchtig über den haaransatz in deinem nacken.
``laß uns woanders hingehn, ich habe hunger. gehn wir was essen, irgendwo hin.`` du willigst ein, & wir schultern unsere beiden taschen, tauschen sie aus, so daß ich deine trage, die viel schwerer ist. wir nehmen ein taxi bis zur corrientes ecke callao, um den rest zum pippo zu laufen.
wir setzen uns an einen tisch am fenster & warten, bis uns der kellner die karte bringt, & bestellen einen salat mit viel zwiebeln & einen 4tel roten & beginnen unsere kleine, süße brotzeit nachts um 3 uhr, der besten zeit für buenos aires. als du mich mit flinken augen musterst & schnell um dich schaust, von deinen beiden kindern erzählst & deinem mann, der den contrabaß im stadtorchester streicht, & mich fragst, was mich hier hält & was ich vorhabe, nimmt eine deiner zärtlichen hände unwillkürlich meinen arm & streicht für eine kurze, unendlich lange sekunde über meine haut. ich werde ruhig & sicher, lege die anfängliche aufregung ab & ahne mit einem mal, daß du mich nicht verletzen wirst. du wohnst weit draußen vor der stadt. ich biete dir an, die nacht bei mir in der wohnung meines bruders zu verbringen, falls du willst, & wir fahren bis zur recoleta an die hell erleuchteten, menschen überfüllten caffees.
manchmal ist alles ganz einfach & manchmal unglaublich kompliziert. ``ja, manchmal ist es ganz einfach``, sagst du. wir werfen einen blick ins offene schlafzimmer meines bruders, der im traumlosen schlaf seine liebe süß umschlingt, setzen uns ermüdet auf den balkon & schauen über die recoleta, den kleinen friedhof, über die erste zeile der kastenförmigen, 20stöckigen wohnhäuser, über die schwarzroten wasser des rio de la plata & sehen hoch über uns die schlanke sichel des mondes. du duschst schnell, & ich wasche mir gleichfalls den schweiß von der haut. wir treffen uns wieder auf dem balkon, wo wir die füße gegen das weiße gitter der brüstung stemmen, so daß wir in den stühlen versinken, & du legst meine hand sachte auf deinen arm, & ich streiche über deine seidenhaut den ellenbogen hoch bis an die schulter über den hals, ertaste dein gesicht mit den festen kinnknochen bis zu deinem mund, den du einen spalt öffnest, um meinen daumen zu küssen.
du neigst dich langsam zu mir & nimmst mir die letzte angst & beantwortest die alles entscheidende frage mit einem süßen, zarten kuß auf meine lippen, meine nase entlang bis zu meiner stirn, & wie um mich zu schützen, bettest du meinen kopf in deine hände & hältst ihn wie einen schatz vor deine weitgeöffneten, honigfarbenen augen, um ihn ungläubig zu betrachten, ihn abzumessen, ihn zu wiegen & ihn für immer in deinem gedächtnis einzugraben. wir küssen uns im aufstehen auf die geöffneten lippen & umarmen uns barfuß auf dem weichen teppich des wohnzimmers, indem wir uns feste aneinanderdrücken & uns wiegen, als begänne jeden augenblick die musik zu einem tango.
``manchmal ist es ganz einfach. willst du hier bei mir bleiben¿` ``klar.`` du nickst mir zu & umfaßt meine hüften mit beiden händen & legst deinen kopf an meine schulter, so daß wir zu unserer eigenen, inneren musik tanzen & uns über den flauschigen boden drehen, ohne zuschauer, ganz alleine mit uns. meine hand gleitet deinen rücken entlang bis an den saum des weiten hemdes & fährt auf deiner nackten seidenhaut die sommersprossen wieder hoch bis an den nacken, während die andere über deinen süßen, zarten hintern gleitet & die starken oberschenkel fühlt, mit denen du deine lende an mich drückst, bis deine rose blüht & mich lockt mit vorwitzigen bewegungen gegen mein becken. ich spüre dich in mir & streiche meine hand unter dem hemd deine offene flanke entlang über die rippen bis zur seite deiner süßen, zarten brust, der seidenbespannten, kleinen frucht, die ihre spitze feste gegen meine finger streckt.
wir werden uns die nacht lieben, falls wir lust verspüren & werden schlafen, falls wir müde sind, & ich werde deinen zederngeruch einatmen & du meinen zwiebelatem, & wir werden so lange zusammenbleiben, bis du genug hast oder bis ich nach são paolo fliege, & falls es sein muß, bleibe ich auch länger bei dir, aber du wirst nicht dulden, daß ich wegen dir meine pläne ändere & auf mein vorhaben verzichte. du wirst mich hinausschicken in die welt, sobald du auch nur ein zeichen von unruhe oder reiselust in mir verspürst, wirst mir den abschied mit deiner geduld & aufmerksamkeit versüßen & wirst mir keine träne nachweinen, sondern mich bestärken & mich ein wenig bewundern, mir deine kraft mit auf den weg geben & keinen gedanken daran verschwenden, mich zurückzuhalten.
in dieser nacht machen wir die liebe der aufrecht im wasser schwimmenden wale & die der hunde, ahmen junge vögel im flug nach & lieben uns zickig wie katzen, kuschelig wie schafe, lecken uns wie die affen, & du spuckst mir in den weit geöffneten, opferbereiten mund, & ich trinke all deinen himmlich fließenden saft aus dir, während du mich mit küssen bedeckst, wo du mich treffen kannst & mich beißt, bis ich vor lust den schmerz vergesse & dich fest an mich drücke, weit geöffnet ohne jede angst & scham & dir meinen körper anvertraue, damit du ihn liebkost & zärtlich berührst, mich an dich ziehst & meine lenden einlädst in die rosafarbene, feuchte, süßeste grotte, die mir auf der runden, sich drehenden erde je begegnet ist.
als ich meinen steifen schwanz vor deine feuchte, rosige schnecke halte, saugt sie mich in dich hinein, & wir spüren, daß die beiden sich mögen wie keine anderen auf der runden, sich drehenden erde, & du flüsterst meinen namen mit engelsheller stimme in mein ohr, & ich werde so heiß, daß meine milch jeden augenblick zu kochen droht.
``willst du¿` ``ja, ich will. hast du präser¿` ``klar.`` ich rolle den feuchten gummi über mein sprungbereites pferdchen & wir reiten eine kurze strecke im eiltempo gemeinsam zum schnellen ende des holprigen weges, wo uns ein brodelndes, heißes meer in die fluten zieht & naß badet. ich lache laut in dein gesicht, als wir beide die zügel freigeben & du meine milch, während ich dick & fest in dir stecke, mit den zuckungen deiner weichen, glühendheißen muschi tief in dich hinein trinkst. beruhigt & gerettet sinken wir ineinander, & ich schaue dich lachend an, schaue in deine himmlischen augen & genieße deinen blick auf mir & die bewunderung für meinen körper. wir 2, du & ich, wir sind füreinander geschaffen. uns hat der außerirdische, den es nicht gibt, für einander auserkoren, um für alle ewigkeiten, oder fast alle ewigkeiten, unser kurzes leben zusammen zu verbringen, bis wir alt & knöchrig sind, um uns zu lieben, um zu ficken, bis wir beide alle hemmungen abgelegt haben, & uns zu betasten & zu lecken, uns gegenseitig zu befriedigen & uns zu retten & nicht zu ruhen, bis wir beide alles gegeben haben & entspannt & besänftigt, erneuert & gevögelt, ineinander sinken & ohne eine offene frage bis zum anderen morgen schlafen.
© m.k.
Michael Kloeckner Radio Radieschen 2002-01-22