der leibhaftige maxwell smart, der held meiner kindertage, lebt in seinen filmen weiter. er kämpft gegen mr. hottentotten, genauer dr. hottentotten, gegen das böse schlechthin, ausgestattet mit allen, aber auch allen erdenklichen mitteln, die einem spitzenagenten seines kalibers, immer sauber, immer korrekt, zur auswahl stehen, die ihm zustehen, von haus aus, regierungsmäßig & weil die zuschauer sowas mögen. maxwell smart, der clevere, smarte klein- & geheimagent, früher mit dem ausgesprochen nützlichen telefon im fußkleid, das ihm unfreiwillig einige aufregende sekunden bescherte, wenn er, anstatt vor seinen verfolgern reißaus zu nehmen, stehenblieb, um seinen schuh auszuziehen, erst den rechten, dann den linken, & sich schließlich barfuß seiner verhaftung durch lauten protest widersetzte, heute mit einem halbleiter-microfiber-anzug ausgestattet, der wie ein stinknormaler, billiger maxwell-smart-anzug daher kommt, aber gleichzeitig die rechenleistung eines supercomputers zu wege bringt, etwa die eines pc, ausgestattet mit einer videokamera im ellenbogen & den funktionstasten an den manschettenknöpfen.
``sprechen sie bitte in meinen ellenbogen, nicht in meinen kragen¡` seine fights besteht er in einem gesamtkatalog einer alten, ehrwürdigen bibliothek, dessen schmale gänge durch endlose reihen metallgestelle führen, vollgestopft mit millionen karteikarten. im rechten augenblick weiß smart die schubfächer durch eine fernsteuerung in seinem anzug derart anzusteuern, daß sie blitzartig aufspringen & so dr. hottentotten den weg zu seinem opfer versperren. er verdächtigt alle & jeden, er mißtraut sich selbst & den untertiteln, die ihm zu hilfe eilen.
der mexicanische überlandbus, der mich von guadaljara an den pacific bringt, ist wie alle, oder fast alle mexicanischen überlandbusse mit video ausgestattet & zeigt pausenlos einen streifen aus der americanischen puppenkiste, oder eine echt einfallsreiche, mexicanische komödie, oder eine americanisch-mexicanische koproduktion, wie sie von staats wegen auf dem gebiet der wirtschaftsbeziehungen verordnet wurde, eine nach unten, da demokratisch, abgesicherte zusammenarbeit im zusammenwachsen, die absicht & der antrag, demnäxt gemeinsam zu arbeiten & gemeinsam zu wachsen. ist mexico ein eigener staat oder wollen sie wie puerto rico in den sternenbanner? keine sorge, volksfürsorge, mexico ist ein eigener staat, mit eigenen, eigenständigen bundesländern, die selbst anordnen, nach oben abgesichert. mexico ist ein eigener staat, mit eigenen scheinen, die der weltbank gehören, & eigenen einwohnern, die dafür arbeiten, von nord bis süd & von ost bis west.
ich fuhr mit dem bus von chihuahua bei sternklarer nacht durch die km breite, endlos lange wüste in einem alten, vorzeitlichen flußbett, das die letzten tropfen wasser vor jahrzehnten gesehen hatte bis guadalajara, ohne lange wartezeiten, mit allem, was zu einem guten bus gehört, losgefahren von einem busbahnhof, von dem americanische busser nur träumen. denver wirkte einsam & verlassen, klein & provinziell im vergleich zu chihuahua. die fahrt ging mit claude vandamme bis porto valerta an der westküste & weiter nach manzanillo mit maxwell smart. die küste kündigte sich an, mit orten wie el paraiso, auf einem hügel an einem bach gelegen, durch eine steile felswand vom meer getrennt, mitten in 1200ern, die rauh & bedrohlich ihre schwarze wand in den himmel stemmten.
im urwald 2 m neben dem asphalt ist krieg, zäher totbringender krieg. alles, was irgendwie grün ist, wächst, so schnell es geht, als schlingpflanze an stämmen empor oder nimmt schattenspendend anderen das licht. 34tel der biomasse sind insekten. ich frage den fahrer, was die hellblauen kästen bedeuten, die alle 5 km neben der straße aufgehängt sind. er sticht mit dem zeigefinger der rechten hand in den unterarm & macht ein geräusch wie ein moskito, ein häßliches surrendes brummen, läßt die mundwinkel nach unten fallen & zieht sie an den augenbrauen wieder hoch. ich verstehe & denke an die malariatabletten in meiner tasche. der bus hält direkt am wasser einer kleinen hafenstadt.
manzanillo, sauber & weiß gestrichen, mit engen gassen um einen unüberwindbaren 200er in seiner mitte, am rand von steilen felshängen, verjüngt sich nach westen hin bis zur eisenbahnlinie. ich komme am frühen vormittag an & habe genug zeit, mir eine pension zu suchen.
ich werde ins florida einziehen, in den 2ten stock in der gleichnamigen straße, wo donna rosa tagsüber an einer roten kopfbedeckung arbeitet, um sie ihrer cousine für eine folkloreveranstaltung zur verfügung zu stellen. roter satin gekreppt, mit einzelnen, handgesteppten rüschen. der fußboden ist in ausgebleichtem, hellroten ocker gekachelt, & eine geschwungene, 17stufige treppe führt in den 2ten stock, der den 3. auf 5 m langen säulen über sich trägt. das haus ist in den fels gebaut & bildet ein 3eck von 25 m seitenlänge, vorne mit einem wackligen metallgeländer zur straße & nach hinten mit einer reihe hellblau gestrichener steinzimmer. manzanillo, an einer 20 km langen bucht gelegen, mit altstadt, industriegebiet & hotelzone, fein säuberlich getrennt. manzanillo, der urlaubsort für mexicaner. manzanillo in der vorsaison.
im hafen hat ein japanisches schulschiff festgemacht, mit eigener kapelle. in einem kleinen, für kurkonzerte errichteten, offenen pavillon sitzt die asiatische band in reih & glied & bläst, gut getrimmt, weil viel zeit zum üben, besa me mucho in bigbandmanier, ganz in weißer seemannsuniform, begleitet von 2 hightech kameras des schiffseigenen videoarchivs, über dutzende reihen klappstühle hinweg, auf denen die manzanillos unter anleitung der örtlichen behörden mitklatschen. hier machen mexicaner urlaub, im sommer & an weihnachten, wenn die vielen tausend singvögel im park am lautesten kreischen.
ich habe meinen freund in den 2ten stock gehoben, stelle ihn neben den stuhl in die ecke & ziehe die tasche von meiner schulter. ich lege meine klamotten ab & dusche mich kalt eine 4tel stunde lang, um den staub & den schweiß aus meinen poren zu waschen & die muskeln zu lockern, bis ich müde werde & mich auf das steinbett lege. ich kannte damals die wichtige wirkung des ventilators nicht & ließ ihn nur ab & an laufen, wenn mir die salzige brühe über die schulter lief. gewohnt, beim schlafen am ganzen körper zugedeckt zu sein, zog ich das tuch, das mir meine süße aus der heimat mitgegeben hatte, über mich & wickelte mich in langes, seidenes silber aus blaugrünen karos. wir haben die decke oft gemeinsam benutzt, & sie hat gute dienste getan, als alte, immerneue seidenunterlage, & um den luftzug von den lenden abzuhalten, gerade von den hüften, wenn mein rücken naß war vom schweiß meiner bewegung unterhalb des 7ten lendenwirbels. wir haben gezupft & gestoßen, haben uns ineinander gekrallt & verhakt, uns geschüttelt, uns gegenseitig abgeleckt & aufgegessen, roh, schleimig, saftig, haben uns geküßt, uns in die augen geschaut & sind dann seite an seite eingeschlafen. jetzt bin ich alleine mit der seidendecke & der erinnerung, die mir ein kribbeln über den rücken schickt. ich schlafe ein süßes, aufgeregtes schläfchen.
gegen mittag hole ich mir frische essensmarken für das wochenende. draußen fällt sonnenlicht durch eine dünne wolkendecke. unter arkaden betrete ich ein luftgekühltes kellergewölbe an der westseite nahe der eisenbahn. meine augen brauchen zeit, um sich an die dunkelheit zu gewöhnen. die junge bankfrau trägt einen grauen, halblangen rock, der ihre braungebrannten knie frei läßt & sich eng an ihre weiche hüfte schmiegt. unter der weißen bluse schützt ein spitzenbesetzter bh ihre brüste vor meinen bewundernden blicken. die formalitäten zur ausgabe der scheine sind kompliziert, & ich nehme vor ihrem schreibtisch in einem tiefen sessel platz, während sie mehrmals zum telefon greift, um sich die verschiedenen ermächtigungen einzuholen. sie steht auf, zupft den hochgerutschten rock züchtig nach unten & geht zu einem schreibtisch quer durch den raum, deutet mit dem rot lackierten zeigefinger auf mich & spricht ein paar worte mit dem dicken angestellten im grünen ledersessel. er nickt ihr zu, & sie kommt lächelnd zu mir zurück, & während ich unter ihrem straffen haarknoten die blonden locken erfinde, fragt sie mich nach meinem namen, um ihn in ein formular einzutragen & mit den buchstaben in meinem paß zu vergleichen. sie mustert mich prüfend, & wir lachen beide. ich frage sie nach ihrem namen. sie heißt anna maria, & sie fragt mich erneut nach meinem, den ich ihr wiederhole. wir lachen nochmal.
die äußeren enden ihrer dunkelbraunen mandelaugen zeigen leicht nach oben. sie hält sich die hand vor den mund, beißt auf den rücken ihres zeigefingers & umschließt ihn mit festen, großen, rotgeschminkten lippen, als hätte sie einen schmerz verspürt. ich denke sofort an ihre schnecke & sehe die muschel zwischen ihren schenkeln, dunkel & weich, tief in ihrer hüfte, die rosa grotte, das gefütterte schatzkästchen zwischen ihren beinen. sie hat ihr hellbraun gewelltes haar am hinterkopf zu einem knoten streng zusammen gebunden, mit einer roten schleife versehen & eine locke an beiden schläfen frei herabhängen. bei jeder bewegung hüpft eine feder um ihr gesicht. sie steht nochmal auf, um das formular gegenzeichnen zu lassen, & ich sehe unter ihrem rock den hüftschwung, sehe den dünnen stoff, der ihre fleischigen backen halb bedeckt, sehe wie die beiden hautfalten zusammenlaufen & einen kleinen durchlaß bilden direkt unter ihrer muschel, wohl behütet von ihren eltern, ihren brüdern, ihrer nachbarschaft, ihrem festen glauben & dem städtchen manzanillo, vielleicht ab & an von ihren eigenen, schlanken fingern liebkost.
als ich anschließend beim essen in einer kleinen garküche sitze, an der rückseite des blocks, in dem sich die bank befindet, sehe ich sie wieder, anna maria, in der hellen bluse mit dem strahlend jungen lächeln. ich bestelle 2 quesadillos & einen salat, & die alte besitzerin des ladens, knochig & fest, mit braun gegerbter haut & feuer in den augen, demselben strengen zopf & derselben roten schleife im haar, schickt ihren sohn in die küche, um die maisfladen zu backen.
mir gegenüber sitzt eine mexicanische 1-kind-familie, er in jeans, spitzen lederstiefeln & strohhut, mitte 30, mit einem schmalen oberlippenbart auf der großporigen gesichtshaut, sie mit einem blümchenkleid & einer plastik-kroko-handtasche, randvoll gefüllt. die kleine tochter will nicht am tisch sitzen, wie es kein kind in diesem alter kann.
``setz dich ordentlich hin! halt still! nein sage ich! ich sage nein! du stehst jetzt nicht auf! du bleibst hier sitzen¡` der vater hat sich eine fleischsuppe mit reis & die mutter eine portion tacos bestellt. die tochter darf zusehen, was übrigbleibt vom teller des vaters, vom großen krug mit eisgekühltem orangensaft, von den tortillas, die jedes mexicanische essen begleiten & von der geduld des alten, der kurz davor ist, der kleinen grundlos eine ins gesicht zu schlagen. sie schaut sehnsuchtsvoll zu mir rüber, blickt mit ihren kinderaugen in meine müden, vom essen & der hitze ermatteten glotzer & muß sich eine schelte vom vater gefallen lassen.
die alte kommt mit meinen quesadillos. ich rolle den heißen, geschmolzenen käse zu einer stange, tauche ihn in die scharfe soße & beiße ein stück ab. zäh zieht der käse einen langen faden aus meinem mund. die kleine lacht mich an, & anna maria lacht mich an zusammen mit ihrer tischnachbarin, die fast noch hübscher ist.
``seid ihr schwestern¿` frage ich die beiden.
``ja, das ist meine schwester lucia.`` ``wer ist denn die ältere von euch beiden¿` ``rate mal.`` ``ich hab keine ahnung, du bist die ältere.`` sie lachen beide, so als ob ich mich mit meiner eigenen frage auf den arm genommen hätte.
``nein, nein, ich bin jünger als lucia. sie ist 19, & ich bin 18.`` ich werde rot. schweißperlen funkeln auf meiner stirn. anna maria steht auf, beugt sich zu lucia & gibt ihr zum abschied 2 küsse auf die wangen, während sie mir ihren festen, runden hintern entgegenstreckt. sie schickt mir im weggehen ein lachen zu & verschwindet ohne sich umzudrehen aus dem offenen raum in den schatten der arkaden. ihre lenden tanzen beschwingt, bis meine augen sie im dunkeln verlieren.
ich überlege, wie ich sie wiedersehen kann. mein hotel hat zur herbstzeit nur wenige gäste, & ich kann beruhigt mit meinem freund eine gute stunde herumklimpern. ich übe die dur-tonleitern & versuche, einen gleichmäßigen zug für einen lange gehaltenen ton zu erzeugen. der schweiß rinnt meinen rücken entlang, sammelt sich am hüftdreieck. er läuft an den schläfen herunter bis über das brustbein. ich spiele ausdauernd, um den juckreiz zu vergessen, der sich nach jedem mückenstich einstellt. es ist wieder zeit für eine dusche & eine siesta auf dem steinbett, diesmal mit ventilator. nachmittags gegen 4 uhr, als die tagestemperatur ihren höhepunkt überschritten hat & die steinwände noch lange die gespeicherte sonnenwärme abgeben, ziehe ich mir das blau-weiß gestreifte t-shirt über & den dünnen, grauen anzug, putze meine zähne & die schuhe, kämme mein haar, um es im knoten am hinterkopf zusammenzubinden & mache mich auf den weg zur filiale, wo anna maria bis 5 uhr arbeitet.
ich komme an den verdunkelten eingang, klopfe feste mit dem rücken meines zeigefingers gegen die glastüre & warte darauf, daß der wachmann mich entdeckt & die gnade besitzt zu öffnen.
``está cerado señor¡` ``sí, yo sé, quería hablar con una señorina, se llama anna maría.`` ich deute in den halbdunklen, luftgekühlten bankraum auf die hübsche kauffrau, die am anderen ende des büros mit einem stapel papier beschäftigt ist. als sie mich erkennt, schaut sie mich überrascht an, zieht die augenbrauen hoch, so daß der straff gespannte zopf nach oben wippt, & kommt zu mir an die türe gelaufen.
``ola, qué tal, michaél¿` ``estoy bien & tu, como vas¿` hat sie lunte gerochen? ``bien, tengo que trabajar.`` ``hasta qué hora trabajas aquí¿` ``hasta las 5. como estás vestido bien.``
sie nimmt mich in meiner lockeren großgrundbesitzerhose hoch. ich werde rot. das war es. ``vamos a tomar un café o algo¿` schlage ich vor. ``no puedo. yo no puedo, mis viejos no me dejan.`` ``claro, pero puedes decir, que tengas que trabajar más, & nos vamos a tomar un café.`` ``no, yo no puedo.`` ``qué lástima, qué lástima povrita.`` sage ich & drehe mich betrübt um, den abend in den wind schießend, um ohne anna maria & ihre süße, fruchtige gesellschaft mit einem caffee & einer tageszeitung die zeit tot zu schlagen.
direkt am wasser ist ein kleines basketballfeld mit einer 3stufigen tribüne, auf dem die manzanillos dem schnellen ballspiel zuschauen. ich setze mich ins publikum & beobachte das gewandte dribbeln halbwüchsiger mädchen, die hastig über den steinboden jagen, als wären es keine 30 grad hitze, als ginge es um die weltmeisterschaft, vollständig im spiel versunken, nur auf den platz & den lauf des balls konzentriert. 2 kleine schiedsrichter in schwarzen uniformen stoppen jedes foul & jeden schrittfehler mit kurzen, zackigen trillern. die mädchen öffnen dann schnell die augen & versammeln sich blitzartig um einen erhobenen, männlichen arm, von dem der große, rote ball auf den steinboden fällt. ein handgemenge entsteht, bis das spiel wieder fließt.
auf der kreuzung hinter der tribüne regelt ein kurzgewachsener hilfspolizist in olivgrün den ruhigen verkehr der vorbeiziehenden blechkaravane. er begleitet die spielunterbrechungen mit seiner trillerpfeife. ein wettstreit entsteht unter den 3 uniformen, bis der ehrenamtliche schutzmann, von 2 ehrenamtlichen sportsmännern geschlagen, aufgibt & sich eine andere ecke sucht, an der er seine pfeife tanzen läßt. es gab hier keinen verkehr zu regeln, allenfalls den natürlichen fluß der autos zu begleiten. mit oder ohne schutzmann stellt mexico in der mitte der straße eigene autofahrerregeln auf, anstatt sich an den buchstaben des gesetzes zu orientieren.
anschließend zeigen 2 ältere teams ein paar spielzüge. die jungs lassen den ball laufen, bis einer der spieler wurfbereit & ungedeckt außerhalb des halbkreises steht, wo er mit einem blick nach unten die regeleinhaltung überprüft, während er gleichzeitig die arme über den kopf hebt, um den ball in hohem bogen direkt in den korb zu werfen. es hagelt applaus & die vorbeifahrenden autos hupen zur anerkennung.
ich gehe rüber in den winzigen, gut gepflegten park. die mädels, die hier flanieren, laufen nie alleine, sondern zu 2t, mit einer freundin oder dem liebsten, oder haben die ganze familie als schutzmacht dabei. die vielen bänke aus weiß gestrichenen holzlatten sind besetzt mit aneinander gelehnten, sehnsüchtig blickenden pärchen, mit gestenreich redenden, älteren herren, oder mit grüppchen junger männer, die auf der lehne der bank hocken, die füße auf der sitzfläche, ein bein auf dem boden. an jeder ecke gibt es eis aus der waffel & was zu trinken in plastiktüten umgefüllt. mexico erspart sich das pfand & das altglasproblem & verteilt jeden tag millionen durchsichtiger, handtellergroßer polyethylentüten, die nach einigen minuten benutzung in der näxten ecke landen, vom winde verweht.
früh am abend gehe ich die straße vom hafen weg ins kleine zentrum, vorbei an mexicanischen urlaubern, schlendere durch die unzähligen plattenläden, mache einen bogen westwärts hinter den steilen fels & folge einer steintreppe, dicht an wohnhäusern vorbei auf den hügel. oben blicke ich über die lichter der kleinen stadt, sehe das japanische schulschiff, dessen offiziere bereits wieder an deck sind, schaue hinter der eisenbahnlinie an der industriezone über den stinkenden, flachen see bis zu den hotels, die ganz weit am anderen ende der bucht einen schmalen weißen streifen bilden. ich steige die stufen herab bis in eine seitenstraße, die mich zum kai bringt. rechts ist eine polizeiwache, links das florida.
ich stehe noch eine weile auf der veranda, vor mir unzählige, faustgroße vögel, die dicht gedrängt nebeneinander auf stromleitungen zur nachtruhe platz genommen haben, tausende & abertausende tagsüber hell kreischender singvögel, die auf drahtseilen balancieren & nun zum schlafen bereit sind. mein zimmer ist karg & leer, bis auf meinen koffer & das steinbett mit der seidendecke. ich lasse das licht gelöscht. der widerschein der straßenbeleuchtung wirft ein karomuster durch das holzgitter über der türe auf meinen nackten körper. während ich an den spätsommer denke & an anna maria, läuft meine hand zu meinen brustwarzen, & mich überkommt sehnsucht nach ihrem körper. ich suche die runde schulter der buchhalterin, an der ihre bluse herabgleitet, während ich ihren knoten im haar löse, um ihr unhaltbare versprechungen ins ohr zu flüstern. sie hilft mir, den verschluß ihres bh zu öffnen, dessen haken ich in der aufregung nicht zu fassen kriege. ich greife mit einer hand um ihre runden hüften, hinter ihr auf dem bett sitzend, schiebe meinen schoß fest an ihre wirbelsäule & küsse sie auf die schläfen, während sie eine hand in meine lenden gleiten läßt & mein pferdchen aus dem stall führt. wir drehen uns zueinander, sie legt ihre nackte haut auf meine brust, & ich spüre ihre festen warzen, die sich mir entgegenstrecken & in kreisenden bewegungen an mir reiben, spüre ihre feuchte hüfte, die sich über mich schiebt & mich reitet. meine hände tasten der empfindsamen haut ihrer innenschenkel entlang, drücken sie gegeneinander & ziehen sie sanft zur seite, so daß ein finger platz findet unter ihrem höschen, um bis an ihre nasse spalte zu fahren & mit der kuppe an den eingang ihrer rosenbewachsenen grotte zu fühlen. ich öffne die höhle hinter der dichten hecke einen spalt breit, während meine zähne in ihre lippen beißen. ich reibe meine kirsche, bis die milch überkocht & warm aus meiner hand quillt. alleine schlafe ich ein.
am anderen morgen nehme ich den stadtbus nach westen richtung santo francisco, vorbei am rotweiß gestrichenen schlot des kraftwerks neben dem frachthafen, der mit türmen großer container zugestellt ist, vorbei am knietiefen brackwasser, bis in die mitte der km langen reihe weißer, 8stöckiger hotelbauten. am himmel stehen wolken & eine brise bläst vom meer landeinwärts. ich laufe durch einen schmalen durchgang zwischen häuserwänden bis zum sandstrand, der um 11 uhr morgens bereits glühend heiß ist. die halbrunde bucht erstreckt sich hier auf 5 km nach beiden seiten entlang einem 50 m breiten sandstreifen, zur straße hin von hotels & privaten apartmenthäusern abgeschirmt. der oktober ist kein bademonat für mexicaner, obwohl das wetter dazu einlädt. die letze nacht war neumond, der die wellen hoch über den steilen strand schiebt, so daß sie wie eine silberne wand auf 300 m gleichzeitig brechen. die gegend ist menschenleer, bis auf einen sonnenschirm, unter dem ein mann sitzt. jorge arbeitet 7 tage die woche von 9 bis 5 als bademeister. ich habe mich bis auf die badehose ausgekleidet & meine sachen unter den schirm gehängt, wo mir jorge den 2ten stuhl anbietet. er ist tiefbraun gebrannt, 35 jahre & hat 5 kinder mit seiner frau maria, mit der er in freier ehe lebt.
``el amor libre está mejor, sin papel, completamente libre.`` er zeigt auf einen punkt am westende der bucht, eine felsgruppe, dem festland vorgelagert, der den wendekreis der sonnen im sommer markiert.
``wenn der fixstern diesen punkt passiert hat``, erklärt er, ``beginnt er seine reise zurück, bis über das große weiße hotel weiter im inneren der bucht. das ist der wendepunkt im winter. von hieraus wandert die sonne wieder südwärts.``
jorges kinder kommen zu ihm gelaufen, mario, norma & jaime. sie bringen ihren muschelschatz mit, & wir beginnen gemeinsam, die findlinge zu zählen.
``uno, dos, quatro, seis.`` ``pero así no se puede contar.`` mario lacht verschmitzt. er ist 5 jahre alt, hat dichtes, kurzgeschnittenes haar & geht noch nicht in die schule.
``uno, dos, seis, quatro.`` wir lachen & beginnen von vorne. norma kommt zu uns herübergelaufen, lehnt sich über ihren bruder & hilft uns beim zählen.
``1, 3, 5, 2.`` nochmal, so wird das nix. beide lachen laut, während die zahlwörter in wilder reihenfolge durcheinander fliegen, dabei ein paar muscheln aus dem schatz verschwinden & wieder zurückfallen, bis das tuch leer ist, & wir von neuem beginnen.
``uno, dos, tres, cinco, seis, qautro, seis, dos, nueve.`` norma, die jüngere der beiden, malt ein schiff in den sand, während mario versucht, seinen namen zu schreiben. norma macht es ihm nach & schreibt das N spiegelverkehrt. jorge hilft ihr geduldig, die sonnenbrille in die pechschwarzen haare geschoben.
die wellen schlagen hoch & laut vor uns zusammen & erzeugen eine feine, salzige gischt, die der wind kühlend zu uns herüberweht. ich möchte gerne baden, traue mich aber alleine nicht ins meer. ich laufe runter bis ans wasser. von hier aus scheinen die wellen über meinem kopf zusammenzuschlagen, als wollten sie mich mitreißen, hinaus ins meer tragen, unter ihrem weißen schaum begraben, mich heumrwirbeln, bis ich vergesse, wo oben & unten ist & mich willenlos den kräftigen strudeln ergebe. jorge erklärt mir, daß es hinten dran ruhig sei. nur das erste stück würde hart. er bietet an, mit mir ins wasser zu kommen. ich bin zu faul & zu feige, um mich der anstrengung auszusetzen, die es kostet, sich durch die fallende wand zu kämpfen.
von osten kommt eine 3er gruppe den strand entlanggelaufen, kaum knietief im wasser, gegen das gleißend helle sonnenlicht als leuchtende punkte zu erkennen, & als eine welle hoch vor ihnen zusammenschlägt & mit ihrer gewalt in sekunden den steilen strand überflutet, stehen die 3 mit einem mal bis zur hüfte im meer, müssen gegen den abfließenden sog kämpfen & können sich unter lautem gekreische an den strand retten. einer der 3 hatte seine kamera an den gürtel gebunden & begutachtet jetzt den schaden.
gegen 2 uhr nachmittags, nachdem ich mich nur kurz aus dem schatten des sonnenschirms getraut habe & meine haut dennoch spannt wie ein gebügeltes bettuch, ziehe ich meine klamotten an & fahre mit dem bus zurück in die altstadt. die winzigen spiegelflächen der unzähligen sandkörner zusammengenommen verstärken die kraft des sonnenlichts um ein vielfaches über seine übliche wirkung hinaus & haben mich feuerrot gebrannt. übermorgen werde ich den zug richtung colma nehmen, um 6 uhr früh, vom einzigen gleis, das in manzanillo beginnt.
© m.k.
Michael Kloeckner Radio Radieschen 2002-01-22